Angespielt: Dark Souls und die lieben Mitbewerber

Einleitung

Als From Software Demon Souls für die PS3 veröffentlichte, konnte niemand absehen, dass daraus einmal die weltbekannte Dark Souls-Franchise entstehen würde. Ein Action-Rollenspiel, in dem jede Bewegung, jeder Angriff, jedes Ausrüstungsteil mit Bedacht eingesetzt werden muss. In dem der Tod so unausweichlich ist, wie die Freude beim Erreichen eines Bonfires – dem Checkpoint-System des Spiels – oder dem Erlegen eines monströsen Bosses, der kaum Luft für Fehler übrig lässt. Die Verkaufszahlen, damals noch unter der Flagge von Sony, waren jedenfalls anfangs ernüchternd, legte aber den Stein, um ein ganzes Genre zu revolutionieren bzw. neu zu begründen.

Dabei ist die Idee eigentlich relativ simpel: Bieten wir dem Spieler eine Herausforderung! Zeigen wir ihm eine obskure Welt, die sich einem nicht auf einem Silbertablett präsentiert, erklären wir ihm nicht jede Winzigkeit in einem langatmigen Tutorial. Anstatt einer Hand, die einen anfangs hält, stößt ein Dark Souls den Spieler lieber nah an den Abgrund und wartet ab, wie der darauf reagiert. Egal ob mit Schwert und Schild, oder einem Holzstab – in einer Ritterrüstung, oder völlig nackt. Zu Beginn wird der geneigte Spieler recht schnell merken, dass es letztendlich egal ist, ob man als Ritter oder Bettler startet: Der Tod wartet überall, kündigt sich mit einen Knurren hinter der linken Ecke an, nur um dann von der rechten Seite zuzuschlagen. Sterben ist in Dark Souls Teil des Spielprinzips. Durch den Tod lernt der Spieler beim nächsten Versuch an dieser oder jener Stelle eine andere Entscheidung zu treffen. Vorsichtiger zu agieren.

Wer dieses Spielprinzip mag, wird selbst nach der abgeschlossenen Dark Souls-Trilogie nach „mehr“ gieren und findet durchaus mittlerweile Alternativen, die der Formel die eine oder andere neue Idee abluchsen können. Nicht alle verbessern das Erlebnis, aber sie entführen den Spieler in neue Welten, mit erneut neu festgesetzten Regeln und bieten dadurch Abwechslung. Leider will ein wirklicher Fan selten einen Blick über den Tellerrand wagen, wo doch der Platzhirsch dominant auf der Spitze haust. Doch das sollte er! Nicht, weil es bessere Alternative gibt… sondern einfach andere. Und weil dieses Genre großes Potential hat. Warum? Weil es den Spieler ernst nimmt. Weil es wachsen muss, um auch ohne From Software eine Zukunft zu haben.

In diesem etwas längeren Angespielt-Artikel geht es um die „Konkurrenz“, die Mitbewerber, die Nachzügler. Allesamt bauen sie auf dem Dark Souls-Prinzip auf oder kopieren einfach. Alle habe ich gespielt und möchte meine persönliche Meinung kundtun. Taugen sie was? Erweitern sie die Formel, oder kopieren sie nur?

NioH

(PS4-Exklusiv)

Die japanische Folklore und ein Hauptcharakter, der in der Geschichte wirklich existierte. Team Ninja versetzt euch mit NioH ins 16. Jahrhundert, in die Sengkoku-Periode mit fiktionalen Elementen. Als William Adams, dem ersten westlichen Samurai der Geschichte, kämpft ihr gegen Dämonen aus der Sagenwelt Japans. Im Gegensatz zu Dark Souls sind die Missionen dabei voneinander unterteilt und werden auf einer großen 2D-Map – ähnlich wie in Diablo 3 – präsentiert. Ebenso ähnlich ist das Loot-Verhalten: Die Beute wird farblich nach Qualität haufenweise auf den Boden gedroppt, kann „transmogrifiziert“, aufgewertet und verändert werden. Selbst eine Kadala-Alternative gibt es mit dem im Spiel erst später freischaltbaren „Tea House“. Der Kniff ist eben nur: Ihr befindet euch nicht in einem simplen Hack & Slay, sondern folgt ansonsten der Dark Souls-Formel. Sterbt ihr, verliert ihr alle gesammeltem Amirita (Der Seelen-Pendant in NioH, also die Erfahrungspunkte) und habt nur eine Chance sie wieder zu erhalten.

Und NioH ist hart. Wirklich, wirklich hart. Das Spiel hat eine simple Regel: Setze dich mit mir auseinander, nutze alle Funktionen, die ich dir biete, dann wirst du ein befriedigendes Spielerlebnis haben. Fuchst der Spieler sich jedoch nicht in die mannigfaltigen wie zahlreichen Systeme ein, wird er scheitern. Denn das Kampfsystem in NioH ist deutlich komplexer als in Dark Souls. Neben dem leichten und dem schweren Angriff, der sich je nach Waffentyp stark voneinander unterscheidet, wird das Ganze mit drei unterschiedlichen Haltungen (Hoch, Mittig, Niedrig) verfeinert. Die hohe Haltung ist langsam, kostet viel KI (Ausdauer), macht aber eine Menge Schaden und erlaubt einige der stärksten Kombos. Die Mittige ist gut zum Blocken, macht mittelmäßigen Schaden und ist ein guter Kompromiss zwischen Stärke und Geschwindigkeit. In der niedrigen Haltung seid ihr unglaublich schnell, kreist um euren Gegner und könnt schnelle (aber schwache) Schläge landen. Je nach Haltung ändert sich nicht nur das Angriffsverhalten, nein, NioH geht weiter: Das ganze Ausweichverhalten passt sich ebenso an! Das ist noch nicht alles: Als waschechter Samurai besitzt ihr mit dem KI-Pulse die Möglichkeit, eure Ausdauer nach jedem Schlag zurückzuerhalten, wenn ihr im richtigen Moment die R1-Taste drückt. Klingt leichter als es mitten im Gefecht ist, wird aber zur Pflicht und einer Bürde: Steht ihr nämlich ohne Ausdauer da, dann steht ihr wortwörtlich bewegungslos vor eurem Gegner, der sich eine Freude daraus machen wird, dem armen William (der übrigen wie die jüngere Fassung von Geralt aus The Witcher aussieht) seine begrenzte Lebensenergie abzuknöpfen. Ich erwähnte gerade Combos? Ja, die gibt es nämlich. Freischaltbar über Ninja-Punkte.

Neben zwanzig harten Hauptmissionen inklusive Boss am Ende, erwarten euch in NioH über hundert Nebenmissionen, mit teils haarsträubenden Aufgaben und Mini-Bossen. Wenn der Schwierigkeitsgrad ab einem gewissen Punkt nicht mehr ausreicht, dann könnt ihr bereits abgeschlossene Missionen in der deutlich härteren „Zwielicht-Variante“ erneut absolvieren. Das lohnt sich nicht nur allein der Herausforderung wegen, sondern auch wegen den Belohnungen! In Sachen Content erhaltet ihr ein Paket, das euch locker über 100 Stunden und mehr beschäftigen wird. Einziger Wermutstropfen: NioH ist ein PS4-Exklusivtitel. „Böh, Konsole, 30FPS, pff“ hallt es da aus dem Wald? Nope: Auf der normalen PS4 sowie auf der Pro lässt sich das Spiel auf 60 FPS spielen. Auf 30 FPS kann optional runtergeregelt werden, wenn ihr eine höhere Auflösung bevorzugen solltet, wovon ich aber stark abraten würde.

NioH ist (neben Bloodborne) die beste Alternative für all diejenigen, die mit dem Japan-Setting was anfangen können. Rein vom Umfang schlägt es alle Mitbewerber mit Leichtigkeit.

9/10

The Surge

(PS4, Xbox One, PC)

Deck 13, bekannt durch Lords of the Fallen, wagt mit The Surge ein innovativeres Setting als die übliche Fantasy-Kost. Angesiedelt in der näheren Zukunft, ausgerüstet mit einem EXO-Skelett und mit einem hervorragend animierten Kampfsystem, wollen die Deutschen auch Sci-Fie-Fans von der Dark Souls-Formel überzeugen.

Das gelingt durchaus. Ähnlich wie im ersten Dark Souls kann das Layout der Welt verstanden werden, auch wenn es an abwechslungsreichen Schauplätzen etwas mangelt. Ausgeglichen wird das jedoch mit dem guten Kampfsystem, das euch erlaubt einzelne Körperteile anzuvisieren, um sie dann mit einem befriedigenden „Ratsch“-Geräusch abzuschlagen. Sinn der Sache? Ihr könnt euch betreffendes Körperteil selbst auf das EXO-Skelett heften. Auf gleiche Weise erlangt ihr auch neue Waffen. Simpel, aber sehr motivierend.

Die Spielzeit ist mit knapp 40 Stunden beim ersten Durchgang zwar etwas kürzer als bei den Konkurrenten, bietet jedoch mit einem New Game+-Modus mit teils neuen Gegnern einen guten Wiederspielwert. Großen Respekt auch für die PC-Portierung: The Surge läuft in maximalen Details mit hohen FPS völlig problemlos auf den meisten Mittelklasse-Rechnern. Ein Novum in der heutigen Zeit.

Allein das Setting und das gute Kampfsystem sprechen für einen Kauf. Deck 13 hat aus den Fehlern von Lords of the Fallen gelernt und gute Arbeit geleistet. Empfehlung!

7/10

Lords of the Fallen

(PS4, Xbox One, PC)

Der erste Versuch von Deck 13 ist eine mittelmäßige Kopie von Dark Souls, die leider an einem sehr behäbigen (wenn auch vielleicht realistischen) Waffen-Verhalten krankt. Die Gebiete sind mit Abkürzungen versehen, bieten aber wenig Abwechslung. Die Geschichte wird so dermaßen platt erzählt und ist gespickt mit teils merkwürdigsten Dialogzeilen, dass man sich einige Male dabei erwischt, wie man mit hochgezogenen Augenbrauen auf den Monitor starrt und leicht den Kopf schüttelt.

Mein Durchgang war dennoch keineswegs schrecklich, denn die Formel funktioniert auch hier ganz gut. Die Fantasie-Welt ist leider nur mäßig interessant und die Story plätschert lustlos erzählt vor sich hin. Die Grafik ist jedoch ganz schick und wenn man sich an das behäbige Kampfsystem gewöhnt hat, kann man durchaus einen Blick wagen. Ein Durchgang dauert ca. 20 Stunden. Da man den Titel mittlerweile für ein paar EURO abstauben kann, sollte man durchaus einen Versuch wagen. Es ist kein schlechtes Spiel, aber eben auch nicht so richtig gut.

6/10

Bloodborne

(PS4)

Der PS4-exklusive Titel Bloodborne von den Dark Souls-Machern From Software setzt auf ein schnelleres Kampfsystem, so ganz ohne Schild und Block-Funktion. Als erkrankter Jäger sucht man in der Stadt Yharnam nach einem Heilmittel. Eben dieses sorgte jedoch innerhalb der Stadt für eine Pandemie…

Wenn die Japaner etwas machen, dann richtig: Bloodborne merkt man an jeder Faser an, dass es von den Originalentwicklern der Souls-Reihe stammt. Das Level-Design beeindruckt auf jedem Schritt, die Gegner sind fordernd und das Kampfsystem funktioniert einfach. Die Boss-Kämpfe sind superb in Szene gesetzt und der Soundtrack ist großartig. Gemeinsam mit dem Story-DLC bietet Bloodborne genug Content, um 50-60+ Stunden für den ersten Durchgang beschäftigt zu sein.

Ein neues Feature sind auch zufällig generierte Dungeons, die sich nach einer Weile zwar schnell wiederholen und so gar nicht mit der ansonsten fantastischen Level-Architektur harmonieren wollen. Die sind jedoch optional.

Pflichtkauf, den jeder Dark Souls-Veteran aber ohnehin schon besitzen dürfte. Alle anderen müssen zuschlagen. Den Schwierigkeitsgrad empfand ich als gemeiner als in Dark Souls, schnelle Reflexe sind ebenso von Vorteil. Das aggressivere Kampfsystem macht aber ungemein Spaß und belohnt aggressiv-überlegtes Vorgehen.

10/10