Angespielt-RoundUp: Lego Worlds & Mass Effect: Andromeda

Ein kurzer Überblick an Spielen, mit denen ich mich in den letzten Wochen beschäftigt habe. Ich gebe meinen persönlichen Senf zu jedem einzelnen Titel ab, um am Ende ein kleines Fazit abzugeben. Zukünftig soll es noch weitere solche „Angespielt-RoundUps“ geben.

Lego Worlds

Wer Minecraft erwartet, dürfte in den ersten 15-20 Stunden stark enttäuscht werden. Denn bevor ihr nach Herzenslust bauen könnt, müsst ihr erst 100 goldene Steine in zufällig generierten Welten finden. Nur dann seid ihr ein „Meisterbauer“ und dürft eigene Welten kreieren. Nebenbei sammelt ihr Assets des Spiels ein, die ihr später verwenden könnt. Egal ob Charaktere, Tiere, Bäume, Sträucher oder Häuser. Alles kann „mitgenommen“ werden und steht euch dann als Sofortbau zur Verfügung. Natürlich kann auch ganz Lego-typisch Steinchen für Steinchen aufeinander gesteckt werden. Das motiviert durchaus und gibt dem Spiel einen kleinen roten Faden, bevor es dem konventionellen Minecraft-Spielprinzip weicht.

Aber… es würde mich nicht wundern, wenn viele Spieler bereits in den ersten Spielstunden den Hut nehmen und Lebewohl sagen. Die anfängliche Begeisterung und Faszination in riesigen Lego-Welten rumzulaufen und Kindheitsträumen nachzuhängen weicht recht schnell einer gewissen Monotonie. Die letzten 20 goldenen Steinchen kosteten mich jedenfalls einiges an Nerven, weil sie ab einem gewissen Punkt nicht mehr in Schatzkisten vorzufinden waren, sondern nur noch durch Quests freigeschaltet wurden. Und die, nun, die sind… also… argh. Teilweise zumindest. Anmerken muss ich jedoch: Ich habe Lego Worlds solo gespielt! Zu zweit sollte alles doppelt so schnell gehen und weniger nervig sein.

Wie lange gespielt?

Über 20 Stunden.

Werde ich es weiterspielen?

Jetzt, wo ich mir die Arbeit gemacht habe diese verfluchten Steinchen alle zu sammeln? (Ja, ein 100%-Savegame hätte es auch getan, aber das ist nicht mein Stil). Ja, werde ich. Aber mit Vorbehalt: Die Entwickler müssen diese Anfangsphase deutlich entschlacken oder völlig optional machen. Gerade jüngere Spieler mit wenig Geduld könnten Lego Worlds schnell den Rücken kehren. Der Aspekt wurde erst im finalen Release implementiert und scheinbar nicht ganz zu Ende gedacht. Nichts, was ein Patch nicht beheben könnte. Der ist auch dringend nötig: Technisch wirkt der Titel oft noch unausgereift und die Bedienung durch das Baumenü ist zweckmäßig mit einem Controller, aber bietet klar Raum an Verbesserung. Auch die Bearbeitung der Landschaft wechselt zwischen „oh, das ist schlau gemacht“ zu „aber funktioniert jetzt doch irgendwie nicht so ganz toll“.  Grafisch hingegen erwartet einem der aus anderen Lego-Spielen typische Look, der mit viel Charme punkten kann. Auch die Animationen sind allesamt erstklassig. Noch ein bisschen abwarten, dann kann man sicherlich zuschlagen. Gerade Lego-Fans erhalten hier einen Spielplatz, den sie sich als Kinder damals nur in ihrer Fantasie ausmalen konnten.

Mass Effect: Andromeda

Ach, was habe ich mich gefreut auf Mass Effect: Andromeda. Die alte Trilogie habe ich locker zwei-dreimal durchgespielt und verdanke BioWare immer noch starke Erinnerungen zu diesen imaginären Figuren und ihren persönlichen Problemchen. Schließlich mussten wichtige Entscheidungen getroffen und intime Gespräche geführt werden. Andromeda hingegen stellt einen sogenannten Soft-Reboot dar, spielt mehr als 600 Jahre in der Zukunft und bringt eine völlig neue Galaxie ins Spiel – mitsamt neuer Figuren.

Und in den ersten Stunden habe ich kräftig gefremdelt mit diesen neuen Gesichtern. So faszinierend ich das Konzept auch fand, hatte ich doch ein wenig das Gefühl auf verlorenem Posten zu stehen. Es wollte einfach nicht „Klick“ machen. Aber das ist wohl eines der Probleme, wenn man an der Nostalgie festhält. Der Wechsel zur Frostbyte-Engine ändert zwar nicht ganz den Stil von Mass Effect, aber es fühlt sich schon eine Ecke anders an. Hübscher erstmal. Schneller. Aber auch vollgestopft mit Kram, der einem zu Beginn die Augenbrauen hochziehen lässt. Präsentiert in unglaublich verschachtelten Menüs, dessen Quest-Log in Unterordner aufgeteilt ist, die ich mit Freuden zu hassen gelernt habe.

Die Animationen der Gesichter stören mich hingegen weniger. Dieser ganze Internet-Hate-Train-Zug ist zuweilen eher befremdlich bzw. schlichtweg peinlich. Ja, die Animationen können nicht mit einem The Witcher 3 oder dem kürzlich erschienenen Horizon Zero Dawn mithalten. Ja, ein Spiel mit Fokus auf Geschichte und Dialogen sollte über besser animierte Gesichter verfügen. Dass sie aber das ganze Spiel kaputt machen würden, dem stimme ich einfach nicht zu. Können sie manchmal belustigend wirken? Ja, definitiv. Sind sie so schlimm, wie alle sagen? Nein, sind sie nicht. Ob zukünftige Patches die Probleme fixen können wird die Zeit zeigen, aber als Fan der Spieleserie muss man deswegen nicht mit einem Kauf hadern. Im Internet wird gerne Kleinkram überspitzt kritisiert und das ist eben mal wieder so ein Fall.

Aber wie ist der Rest des Spiels? Nun, die Shooter-Parts fühlen sich besser an als in allen Vorgängern zusammen. Dank des Jetpacks hat man unzählige Möglichkeiten (auch dank diverser Skills), um das Kampfsystem mehr nach eigenen Bedürfnissen auszurichten. Das macht durchaus Spaß. Wer aber eine Qualität eines Gears of War erwartet, der sollte woanders suchen. Mass Effect: Andromeda bleibt im Kern ein Rollenspiel und Action-Sequenzen machen tatsächlich – anders als die Trailer vielleicht den Eindruck vermittelten – nicht den Hauptteil der Erfahrung aus. Spaß machen sie und die erhöhte Bewegungsfreiheit ist auch bei der Erkundung ein Segen. Und zu erkunden gibt es sehr viel: Die begehbaren Planeten (von denen ich drei von fünf bis jetzt freigeschaltet habe) sind riesig, bieten massig Nebenquests, die in ihrer Qualität zwar schwanken, aber inszenatorisch völlig in Ordnung sind. Kleine Geschichten wechseln sich mit überraschenden großen Ereignissen ab. Erst denkt man, man habe eine Sammelquest angenommen, da befindet man sich plötzlich im Kampf mit einem riesigen, beeindruckendem Boss-Gegner, der einem die Kinnlade runterklappen lässt. Toll!

Im derzeitigen Stadium kann ich sagen: Mass Effect: Andromeda ist ähnlich, aber auch irgendwie anders als die Shepard-Trilogie. Das kann schlecht aber auch gut aufgenommen werden. Kommt ganz darauf an, wie sehr man die alten Teile mochte und noch darin feststeckt. Das Spiel bietet jedenfalls viel Inhalt fürs Geld, braucht aber sicherlich noch den einen oder anderen Patch, um einige Ecken und Kanten glatt zu bügeln. Für das erste große Spiel eines „B-Teams“ von BioWare ist Mass Effect: Andromeda aber durchaus beachtlich. Wenn man den Schalter umlegen kann und nach Andromeda fliegt, ohne zu sehr in der Vergangenheit festzuhängen, erhält man ein gutes, aber kein großartiges Rollenspiel. Dafür sind mir einige Dialoge dann doch etwas zu platt geschrieben. Ein subjektiver Aspekt, der mir persönlich zwar sehr wichtig ist in einem Rollenspiel, aber von dem ich auch weiß, dass er bei anderen nicht die selbe Priorität genießt.

Wie lange gespielt?

Über 30 Stunden. 

Werde ich weiterspielen? 

Natürlich. Ich mag Mass Effect. Ich mag BioWare (immer noch). Ich mag Rollenspiele. Und  das Genre Science-Fiction ist immer klasse! Aber eine richtige emotionale Verbindung fehlt mir noch, auch wenn die eine oder andere Nebenfigur durchaus sympathisch geschrieben ist. Für Neueinsteiger der Serie sollten das alles verschmerzbare Kritikpunkte sein, als Veteran tue ich mir aber weiterhin ein bisschen schwer. Nur kann ich derzeit noch nicht genau sagen, ob das an mir persönlich liegt oder am Spiel selbst. Würde es mich nicht unterhalten, hätte ich kein Wochenende in Andromeda verbracht. Mir fehlen bisweilen nur die besonderen Momente, die, an die ich mich später zurückerinnere. Kann aber noch kommen…

Technisch ist Mass Effect: Andromeda jedenfalls durchaus eine Augenweide auf dem PC. Abseits der mittelmäßigen Gesichter gibt es eine tolle Weitsicht, knackscharfe Texturen und teils großartige Kulissen. Das Art-Design ist im Großen und Ganzen gelungen. Die deutsche Synchronisation ist okay, aber wie so oft gehen einige Charaktermerkmale dadurch verloren – wie z.B. ein Dialekt, oder bestimmte Betonungen, die nicht so ganz zu einer Situation passen wollen. Der Soundtrack hält sich etwas im Hintergrund und erreicht nicht ganz das Niveau der Vorgänger.

Die Bedienung geht gut von der Hand, auch wenn das automatische Deckungssystem mir nicht so ganz gefallen will. Die Menüs sind für Controller optimiert und sollten auch damit bedient werden, auch wenn sie konzeptionell so oder so durchfallen. Zu verschachtelt, zu vollgestopft. Der Rest… nun, der macht Spaß. Es fehlt bis jetzt nur ein Quäntchen Genialität, ein Hauch Besonderheit. Vielleicht in den nächsten Spielstunden…

Bild: EA