Angespielt: Stories – The Path of Destinies

Die Entwickler von Spearhead Games brachten im April 2016 für PC und Playstation 4 mit „Stories: The Path of Destinies“ ein Action-Rollenspiel heraus, das auf seine ganz eigene Art und Weise ein kleiner Diamant ist, der nicht für jeden gleich stark funkeln mag.

Vorweg eine Frage: Magst du Bücher? Magst du es, wenn deine Entscheidungen den weiteren Verlauf der Geschichte bestimmen? Wenn du beide Fragen mit „ja“ beantworten kannst, dann lies weiter, denn du könntest ein Spiel finden, dass du in der Masse an Releases übersehen hast und dir durchaus gefallen könnte.

Story

In unserer Geschichte übernimmst du die Rolle von Reynardo, einem Fuchs, der sich durch einige Schicksalswendungen den Rebellen anschließt, um gegen den bösen König Isengrim III vorzugehen. Dabei sind alle Figuren in dieser Fantasywelt vermenschlichte Tiere. Deine Gegner sind die Raben (darunter Soldaten und Magier), der König ist selbst ein Frosch, seine Tochter eine Katze und dein bester Freund ein Hase. Die Welt jedoch von dem besessenen König zu retten, der nach Unsterblichkeit trachtet und das Volk der alten Götter mit Hilfe von Artefakten wiederfinden möchte, stellt sich dabei als keine einfache Aufgabe heraus. Denn um der große Held zu sein musst du vor allem eins: Viele Male auf deiner Mission versagen.

Mit Hilfe eines magischen Buches, das du am Anfang deiner Reise erlangst, kannst du bei jedem gescheitertem Versuch den König aufzuhalten deine Geschichte mit neuem Wissen von vorne beginnen. Ein Geschichtenerzähler führt dich nach jedem Kapitel, das du aus der Third-Person-Perspektive spielst, zum Punkt, wo du dich entscheiden musst, welchen der vorgeschlagenen Wege du als nächstes wählen möchtest. Bestimmte Wege geben dir dabei weitere Hinweise auf die „vier Wahrheiten“, die dir helfen das gute Ende zu finden – und je öfter du versagst, desto näher kommst du deinem Ziel die Welt zu retten. 24 Enden stehen dir auf deiner Suche zur Verfügung.

Gameplay

Auf Reynardos Weg bist du unterwegs über kleine, fliegende Inseln, auf deren du immer wieder auf Gegner triffst, die du erst besiegen musst, um weiter zu kommen. Faire Speicherpunkte nehmen den Frust beim Sterben. Dabei findest du in allen Ecken immer wieder Truhen, die Edelsteine mit Kräften bergen (und die du ausrüsten kannst), sowie Erze und andere Steine, mit denen du dein Schwert aufrüstest. Um genauer zu sein 4 Schwerter, die alle unterschiedliche Fähigkeiten haben. Neben Ihren Stärken im Kampf öffnen sie auch Türen auf deiner Reise, so dass du anfangs nicht alle Wege begehen kannst. Umso besser! Denn du wirst ein und dasselbe Kapitel sicher mehr als einmal spielen müssen und so trotzdem immer wieder Neues entdecken können. Zusätzlich verfolgt deine Geschichte ein Erzähler, der mit Witz und Charme erzählt, was du denkst und fühlst. So kann es sein, dass du ein Kapitel zwar erneut spielst, du jedoch trotzdem einen ganz anderen Geschichtenstrang entdeckst.

Mit Erfahrungspunkten kannst du an bestimmten Schreinen Skills leveln, wie Zeitlupe im Kampf, einen Greifhaken, der Gegner ranziehen kann und vieles mehr.  Je besser deine Kombos im Kampf, desto mehr Erfahrungspunkte erhälst du; dabei ist das Kampfsystem flüssig und macht sehr viel Spaß, wenn man sich durch die Raben schlachtet, wie wenn man ein Messer durch Butter zieht.
Die Grafik ist dabei in einem märchenhaften, bunten Comic-Look gehalten, der zu der Geschichte sehr gut passt.

Fazit

Wer den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray von 1993 kennt, der wird sicher an diesen denken müssen, wenn er Stories: The Path of Destinies spielt. Immer und immer wieder beginnt die Geschichte von vorne, wieder versagt man, wieder versucht man es diesmal besser zu machen. Hört sich das langweilig an? Vielleicht, aber das ist es ganz und gar nicht.

Die beste Entscheidung, die Spearhead Games treffen konnte, war Julian Casey nicht nur in ihrem vorherigen Titel Tiny Brains einzusetzen, sondern auch  hier als  „Geschichtenerzähler“. Während man die Texte auf Deutsch mitlesen kann, bringt Casey mit seiner Stimme jedes einzelne Wort auf Englisch zum Leben. Und je nach Rolle verstellt er seine Stimme. Während der Reise als Reynardo taucht er immer wieder auf, um das Spiel zu kommentieren oder eine Bemerkung über die unbedeutendsten Dinge abzugeben. Er verleiht den Figuren Charakter und hat mich mit seinen Dialogen oft zum Lachen gebracht.

Einige brauchten, um das richtige Ende zu finden nur einige Stunden, bei mir waren es sicher über 15 oder mehr. Ein Spieldurchlauf dauert dabei ca. 1 Stunde. Eine gute Zeit, um eben Mal etwas zu spielen und dann wann anders weiterzumachen. Das perfekte Spiel für „eben Mal eine Runde“, das einen auch großzügig mit freischaltbaren Erfolgen belohnt. Selten hat es so viel Spaß gemacht und mich so zum Lachen gebracht das Falsche zu tun, um letztlich das Richtige zu tun.

8/10